Ein Zeichen

Gieb deinem Herzen ein Zeichen,
daß die Winde sich drehn.
Hoffnung ist ohne gleichen
wenn sie die Göttlichen sehn.

Richte dich auf und verharre
still in dem großen Bezug;
leise löst sich das Starre,
milde schwindet der Bug.

Risse entstehn im Verhängnis
das du lange bewohnt,
und in das dichte Gefängnis
flößt sich ein fühlender Mond.

– Rainer Maria Rilke, 1924

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Rezension: Siegfried Lenz – „Schweigeminute“

Ein Foto der bei einem Segelunfall tödlich verunglückten Lehrerin Stella steht auf dem Podium der großen Aula. Die Schule hat sich zur Schweigeminute zusammengefunden. Unter den Schülern ist auch der 18-jährige Christian. Stellas Bild vor Augen, erinnert er sich an ihre erste Begegnung und an die darauf folgende gemeinsame Zeit.  „Bevor sie ausstieg, küsste sie…

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Rezension: Urs Widmer – „Liebesnacht“

Unter dem Schein einer Lampe sitzt eine kleine Gesellschaft im Elsass. Egon, ein alter Freund des Ich-Erzählers ist zu Besuch gekommen und das verspricht eine durchzechte Nacht. Tatsächlich wird auch nicht geschlafen, denn die Unterhaltung erstreckt sich nicht nur über das ganze Buch, sondern auch über die nächtlichen Stunden der Versammelten. Prahlt Weltenbummler Egon anfangs…

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Rezension: Paul Watzlawick – „Anleitung zum Unglücklichsein“

Leiden kann ja so schön sein – was aber tun, wenn sich das Glück anzubahnen droht? Watzlawicks Geschichten bieten die Lösung und zeigen, wie man den noch so kleinsten Funken aufblitzender Zufriedenheit direkt im Keim erstickt. Fortan kann weiter friedlich auf dem See des Weltschmerzes geschippert werden. Durch die sinnverkehrte Blume serviert der Philosoph seinem…

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Rezension: Wolfgang Koeppen – „Tauben im Gras

Scheinbar unzusammenhängende Episoden sind es, die nach und nach im Handlungsverlauf zusammengesetzt werden und das Bild einer deutschen Großstadt der Nachkriegszeit zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunder zeichnen. Der Autor verzichtet dabei auf dominierende, tief entwickelte Protagonisten. Weder Leitfigur noch Gegenspieler definieren die Erzählung. Wie mit einer Kamera fängt Koeppen kleine Sequenzen dieses Tages nach dem Krieg…

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Rezension: Jung Chang – „Wilde Schwäne“

Kaum in Worte zu fassen und doch vermag Chang es, das Leben dieser drei Frauen erstaunlich sachlich, aber dadurch umso eindringlicher darzustellen und die Seele des chinesischen Volkes sichtbar zu machen.

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Rezension: Isabelle Miniére – „Ein ganz normales Paar“

Benjamin und Béatrice gehen Möbel kaufen. Béatrice wuselt zwischen den Ausstellungsstücken umher, Benjamin erzählt die Geschichte dieses Romans. Ein Couchtisch sorgt für die plötzliche Erkenntnis – diese Ehe hat keinen Sinn. Der Tisch nicht sein Stil, genauso wenig wie die Beziehung mit der vermeintlichen Traumfrau. Mit unbestechlichem Blick beschreibt Miniére durch die Augen Benjamins diese…

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Rezension: Christian Kracht – „Faserland“

Kracht lässt seinen Antihelden treiben durch diese belanglose Welt, die ihm zwischen den Fingern zerrinnt und weckt im hedonistischen Umherirrenden eine seltsame Traurigkeit und Leere.

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Begegnung an ‚dritten Orten‘ – die Bibliothek

Was sind schon Bibliotheken mit begrenztem Regalplatz, denen es inzwischen sogar am Reiz der Opulenz historischer Lesesäle fehlt?! – Unverzichtbar! Als kulturelles Wissenszentrum etabliert sich die moderne Bibliothek neu, die kollaborativ den Umgang mit einer sich permanent verändernden Medienlandschaft lehren kann.

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Rezension: Maria Nurowska – „Briefe der Liebe“

Nurowska flicht liebevoll poetische Abschnitte in die Konstruktion eines schrecklichen Schicksals ein, verbindet persönliche Erlebnisse der Protagonistin mit Zeitgeschichte von 1944-1968 und einer Abhandlung über Verantwortung, Lüge, Gewissen, Schuld und Vergebung. Ein eindrücklicher Roman und die wohl schönste und auch traurigste Liebesgeschichte, die ich immer und immer wieder lesen könnte. Große Empfehlung!

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„When in doubt, go to the library.“

Schwerfällig taumelt die gigantische Schlossuhr in ihrem alten Gefüge; rasend schnell drehen sich die Stunden in Hermines Zeitumkehrer und überlisten die bisherige Ordnung.

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